WAS IST EIN SCHELLACK-DJ?

Anfang der 30er Jahre legten in Berliner Ku’dammnähe zwei Schellack-Schallplattenunterhalter auf. Heute sind DJs mit Sticks, Laptop oder als CD-Wechsler unterwegs. Seit den Zeiten der Fifties-Jukebox bis zum heutigen Datum sind sie aber vorrangig mit Vinyl-Platten am Start. Und Schellack? Das sind schwere Singles, gesteinsmehl-gefütterte und deshalb rauschende Tonträger der Pre-Vinyl-Generation, die zerbrechen können und nur bis Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hergestellt wurden. Polyvinylchlorid ist zwar seit 1931 bekannt, doch die Welturaufführung der unzerbrechlichen Langspielplatte gab’s erst 1948, gefolgt von der Vinyl-Single.

Bis Anfang der Sixties dauerte der Einführungsprozeß der Vinylscheiben, welche statt mit 78 Umdrehungen pro Minute für die Schellackplatte, nun mit 45 (Single) und 33 (Longplayer) Umdrehungen pro Minute verbunden waren. Damalige Teenies stürzten sich wegen zeitgemäßem  Rock & Roll auf die Unzerbrechlichen, die Älteren bemühten sich um modernere Plattenspieler.

 

All das soll vor dem Vergessen bewahrt werden. Darum bemühen sich seit Jahren die Schellack-DJs. WUTHE AM „GRAMMOPHON“ arbeitet (nicht nur) den europäischen Swing auf. DJ GRAMMOPHON und JUMPIN’ ANDI stellen vorrangig 78er der Fifties vor. Manchmal werden sie vom Nachwuchs gefragt, „ob man damit auch scratchen kann“! Auch SWINGIN’ SWANEE sortiert mittlerweile ihre aus Hamburg nach Berlin mitgebrachten Schellackschätze, um dem Swing-, Boogie- und Rock’n’Roll-Revival mit Originaltonträgern den authentischen Sound zu verpassen. Die Begriffe „Schellack“ und „Grammophon“ sind also keineswegs nur Synonym für die so genannten Roaring Twenties.

Mathias Hopke, Mai 2009

 

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